Lange Unterhosen und rote Nasen. Winti friert.
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#173 | 7.1.2026 | Online lesen | Unterstützen

WNTI Wintibrief

Maria Wyler

Einen schönen kalten Morgen

Was hat die rostige Kette meines Rennvelos gekrächzt, als ich die Unterführung heraufkroch, während ich versuchte, mich minimal zu bewegen, damit die kalte Jeans meine Oberschenkel nicht berührt. Winti friert. Die einen sehr, andere weniger, als ich dachte. Ich habe nachgefragt – wie es denen auf dem Bau geht, ob Stadtbus ins Schleudern kommt und was das Wetter macht.


Bin ich ein Gfrörli oder ist es selten so kalt?

In der Nacht auf gestern sank die Temperatur auf minus 15.8 Grad. Ähnlich kalt sei es bei uns 2024, 2021, 2017 und 2016 gewesen, so Alexander Giordano, Meteorologe bei Meteo Schweiz. Es kommt also durchaus immer wieder vor, dass es so kalt ist, wir vergessen einfach schnell. Wobei laut Giordano die Häufigkeit in den letzten Jahren aufgrund des Klimawandels abgenommen habe.

Der kälteste Tag in den letzten 20 Jahren in unserer Region sei der vierte Februar 2012 mit minus 22.7 Grad gewesen. Rund um diesen Tag findet man zahlreiche Artikel – bei dieser Eiseskälte froren Schlüssel an den Schlössern an und Fussballclubs trieben Wolldecken und Tee für ihre Fans auf. Ein Landbote-Text trug den Titel: «Die kleine Eiszeit lässt die Menschen schlottern, das Leben erstarren.» In jenem Februar fror letztmals der Pfäffikersee vollständig zu. Bis in die 2000er Jahre sei dies jeden zweiten Winter der Fall gewesen, so der Meteorologe. Gestern und heute soll die Kältewelle ihren Höhepunkt – oder besser gesagt Tiefpunkt – erreicht haben.

Wenn man nichts muss, ist es doch eigentlich recht schön. Wie hier am Sonntag an eiskalten Töss. (Bild: Maria Wyler)

Hart im Nehmen auf der Baustelle

«Oh da musst du aber aufpassen mit dem Velo, es hat überall Eis», sagt ein Bauarbeiter zu mir. Er trägt keine Jacke, sein Kollege steht in kurzen Hosen da. Sie arbeiten als Bodenleger und sind darum nur in der kurzen Pause der Kälte ausgesetzt. Auf der Baustelle des Stellwerks 2 treffe ich einen weiteren Arbeiter an – dieser schuftet schon seit dem frühen Morgen draussen, ist aber auch nicht viel wärmer angezogen. Ich – in dicker Daunenjacke, Handschuhen und Mütze – frage ihn, ob er nicht friere. Er lacht. Laut seinem Bauleiter läuft der Betrieb normal weiter. «Sie fangen um sieben an und hören um fünf auf. Klar, es ist alles etwas langsamer und man macht vielleicht mal eine Pause mehr zum Aufwärmen.» Aber die Mitarbeitenden seien hart im Nehmen. Einer meint: «Wenn ich weiss, dass ich mich heute nicht viel bewege, ziehe ich auch mal eine lange Unterhose an.»

Ab ins kalte Loch und das schon in den frühen Morgenstunden. Die Mitarbeitenden des Bauunternehmens Anliker nehmen es locker. (Bild: Maria Wyler)

The wheels on the bus go round and round..

Busfahren braucht in diesen Tagen etwas mehr Geduld als sonst. Laut der Medienstelle von Stadtbus stellt der Strassenzustand die grosse Herausforderung dar, technische Probleme bei den Fahrzeugen gebe es so gut wie keine. Der berühmte «Pain-Point», wie der Mediensprecher ihn nennt, sei die Strecke des Fünfers hoch nach Dättnau. Wenn es Schnee oder Eis habe, sei dort die Strasse schnell zu steil und der Bus könne nicht hochfahren. Die Anwohnenden seien es gewohnt, dass sie auch mal unten am Hang aussteigen müssen oder oben vergeblich auf den Bus warten. Fragt man die Menschen am Busbahnhof, stört die meisten eigentlich nur, dass es wegen der ständig offenen Türen kalt in den Bus reinzieht. So richtig setze dem Stadtbus-Betrieb zu, wenn es Neuschnee auf den Strassen habe, so die Geschäftsstelle.


Und was ist jetzt mit dem Schnee?

Viele hoffen auf mehr der weissen Pracht. Dass die Wahrscheinlichkeit für Schneefall mit den Temperaturen sinkt, bestätigt mir Alexander Giordano: «Je wärmer die Luft, desto mehr Feuchtigkeit kann sie aufnehmen. Bei sehr tiefen Temperaturen ist die Luft meist zu trocken für intensivere Schneefälle. Die grössten Schneeflocken entstehen bei Temperaturen um null Grad. Es gibt allerdings wie bei jeder Regel auch hier Ausnahmen.» Am Donnerstag sollen die Temperaturen dank einer Warmfront deutlich ansteigen, es sei aber zu erwarten, dass schon am Donnerstagabend der voraussichtlich fallende Schnee in Regen übergehe, so Giordano. Wer also sehnsüchtig mit dem Schlitten an der Hand gen Himmel schaut, setzt sich besser einfach drauf – Eis rutscht besser als Matsch.

Auch im neuen Jahr passieren Fehler, aber sie hätten noch etwas zuwarten dürfen: Die Mitte-Kandidatin aus dem gestrigen Newsletter steht auf Listenplatz sechs und heisst Jacqueline Scheiflinger-Mannhart. Auf Platz sieben folgt der 34-jährige Software-Ingenieur Dominik Kern. Erst Platz acht belegt der erwähnte Markus Schmid (61), der als kaufmännischer Angestellter arbeitet.

Rubrik: Was lauft?
  • Vier Bisherige spannen zusammen: SP und Grüne wollen «verlässliche Mehrheiten» im Stadtrat. Das war gestern Morgen im Kafi Rauke einstimmig von Christa Meier, Nicolas Galladé, Kaspar Bopp (SP) und Martina Blum (Grüne) zu hören. Sie machen gemeinsam Wahlkampf ‒ anders als 2022 jedoch ohne EVP und GLP. Zu stark sei die Diskrepanz zwischen den Parolen im Wahlkampf und danach dem Stimmverhalten der beiden Mitte-Parteien gewesen, etwa bei finanzpolitischen Themen oder dem Entscheid zur Frauenfelderstrasse. Doch Meier betonte: «Nur weil es die Allianz nicht gibt, heisst das nicht, dass wir nicht zusammenarbeiten können». Und Präsidiumskandidat Bopp ergänzte, es gehe darum, nachvollziehbare Sachentscheide zu fällen. Das erwarte man in der Exekutive auch von einem bürgerlichen Gspänli. (tz)

  • Jacqueline Fehr tritt nicht wieder an: Dies gab die Winterthurer SP-Politikerin gestern an einer Pressekonferenz bekannt. Die Justizdirektorin amtet seit 2015 in der Kantonsregierung. Fehr begann ihre Politkarriere 1990 im Winterthurer Stadtparlament, war danach Kantons- und Nationalrätin. 2010 kandidierte sie als Bundesrätin, die Wahl gewann damals aber Parteikollegin Simonetta Sommaruga. Für die Regierungsratswahlen 2027 wird die zweitgrösste Partei des Kantons nicht mehr auf ihre langjährige Regierungsrätin zählen können. Damit dürfte es noch schwerer werden, zwei Plätze in der mächtigen Kantons-Exekutive zu ergattern, sagt Tsüri-Chefredaktor Simon Jacoby. (tz)


  • Stadt unterstützt den «Platz» weiterhin: Trotz grossem Interesse und Bemühungen seitens des Vereins Abenteuerspielplatz Winterthur, erwirtschaftet der «Platz» beim Rosenberg nicht genügend Eigenmittel. Wie die Stadt mitteilt, unterstützt sie den sozialpädagogisch begleiteten Spielplatz ab 2027 mit 50'000 Franken jährlich. Für 2026 bewilligt sie einen einmaligen Kostenbeitrag zulasten des Hedwig und Zygmunt Luciak-Fonds. Der 2019 eröffnete «Platz» sei eine wichtige Ergänzung zum schulischen Lernen und ein wertvoller Baustein in der Bildungslandschaft Winterthur.


  • Dünnes Eis, Kinder: Es langt nicht zum Schlittschüendle auf dem Schützenweiher. Das weiss der «Landbote», und liefert gleich den nächsten traurigen Satz nach: Das letzte Mal gefror es im Februar 2012 (siehe Haupttext) genügend lang, eine 16-Zentimeter dicke Eisdecke wurde damals gemessen.

Rubrik: Winti liebt (*bezahlte Partnerschaft)

Bundesordner – der satirische Jahresrückblick

Für viele ist es ein Ritual, das Jahr mit dem satirischen Jahresrückblick im Casinotheater Winterthur zu starten.

2025 war ein Kaleidoskop an Kuriositäten: Der orange Präsident präsentiert sich als Elefant im Porzellanladen und Los Angeles geht in Flammen auf. Derweil schiessen Autokratien wie Pilze aus dem Boden, Popstars fliegen durch den Weltraum und Franziskus verlässt die Erde. Auch Peter Bichsel verabschiedet sich, das ESC-Lied «Made in Switzerland» geht durch die Decke, und ein Berg bedeckt Blatten.

Wann? Vom 10.-15. Januar 2026

Rubrik: Winti weiss

Alles fahrt Schii

Noch gar nicht so lang ist’s her, da wurde nebst Schlitteln und Langlaufen in Winti auch anderer Schneesport betrieben. Bis 1991 fand alljährlich das sogenannte Fassdaubenrennen in Neuburg statt, organisiert durch den 1953 gegründeten Fassdaubenclub Neuburg-Wülflingen. Als Fassdaube bezeichnet man die Längshölzer, aus denen Küfer in alter Bauweise Wein- und Bierfässer zusammensetzten. Früher wurden Dauben auch als günstige Alternative zu Skiern verwendet. Für die Teilnahme am legendären Rennen waren echte Fassdauben Pflicht, ebenso wie das Tragen von Militärstiefeln oder Wanderschuhen, die mit Lederriemen an der Daube befestigt wurden.

Fassdaubenrennen in Neuburg 1985. (Bild: Bildarchiv Winterthur)

Wie Winterthur Glossar schreibt, sei das Material und entsprechend auch der Fahrstil «eher eigenartig». Beim Fassdaubenrennen gehe es jedoch nicht primär um die Geschwindigkeit, im Vordergrund stehe das Spektakel. Bewertet wurde jeweils auch die Originalität. So rasten bereits in den 60er-Jahren die Teilnehmenden in lustigen Kostümen den Berg hinunter. «Es konnte schon mal vorkommen, dass jemand für den 400 Meter langen Riesenslalom mehr als zwei Minuten brauchte, während andere es in 20 Sekunden schafften.» Mangels Schnee findet das Rennen seit 1991 in Wildhaus statt. Dieses Jahr am 8. März.

Rubrik: Wahr gesagt (Kolumne)

Kolumne von der Stadttaube

Ein Widerspruch der Natur

Wenn es ums Körnli-Picken geht, ist der Bahnhof Winterthur ein wahres Schlaraffenland. Besonders am Morgen regnet es Brösmeli im Takt. An einem solchen Morgen picke ich auf dem Perron von Gleis 7 friedlich vor mich hin. Auf dem Bänkli neben mir wettert eine Grossmutter: «Ruedi», sagt sie, «Nöchstmal seg ich ihre, dass mich das stört. Es stört mich, dass sie au go schaffe gaht und euse Sohn denn mit em Chind dihei isch.»

Ich zerkleinere das nächste Brösmeli in schnabelgerechte Stücke und frage mich, was genau sie daran stört, dass die Arbeit aufgeteilt wird. In meiner Welt ist es nämlich nichts Besonderes, dass der Vater bei den Nestlingen bleibt. Zwar legen nur die Täubinnen Eier, aber ab dem Moment des Brütens sind bei uns die Spiesse gleich lang.

Nach dem Schlüpfen erst recht: Dank des Hormons Prolaktin produzieren Taubenväter und -mütter beide Kropfmilch, die auch Taubenmilch genannt wird. Sie enthält Eiweiss, Fett und Wasser und bildet die erste und wichtigste Nahrung für unsere Küken. Ohne den Täuberich würde unser Nachwuchs keine paar Tage überleben, denn er wird erst in fast ausgewachsenem Alter flügge. Deshalb leben wir auch monogam.

In der Natur ist Monogamie nicht ein romantisches, sondern ein funktionelles Arrangement: Sie entsteht dort, wo beide Elternteile für das Überleben des Nachwuchses unverzichtbar sind. Das gilt für uns Tauben, für Albatrosse und Kaiserpinguine – aber nicht für Bären, Marienkäfer oder Delfine. Und anscheinend auch nicht für Menschen.

Zwar lebt der Grossteil der Menschen in monogamen Hetero-Beziehungen. Aber die Spiesse sind oft nicht gleich lang. Der Gesamtwert der unbezahlten Arbeit beläuft sich auf 434 Milliarden Franken. Laut dem Bundesamt für Statistik verrichten Frauen 2024 noch immer 61 Prozent dieser nicht-bezahlten Arbeit, die sich vor allem aus Haus- und Familienarbeit zusammensetzt. Mit jedem Kind steigt die Belastung der Frau.

Männer übernehmen ebenfalls unbezahlte Arbeiten zu Hause, vor allem im handwerklichen Bereich. Sie sind aber auch häufiger in Ehrenämtern und Vereinen tätig. Die Ursache für diese ungleiche Arbeitsaufteilung im Nest der Menschen ist vielschichtig. Aber eine sitzt hier hinter mir am Perron von Gleis 7: Wenn Menschen – insbesondere Frauen – von Frauen verlangen, in veralteten Rollenbildern zu verharren, verfestigt sich dieser Widerspruch. Denn ein monogam lebendes Wesen, bei dem nur ein Teil die Nest- und Nachwuchsarbeit übernimmt, ist ein Widerspruch zur Natur.

Ob gurrend auf den Vordächern, im Brunnen vor dem Stadthaus badend oder Bretzel-Brösmeli-pickend am Bahnhof: Die Stadttaube ist überall dort, wo du bist. Und schnappt Schnipsel aus dem Stadtgemurmel auf. Hier teilt unsere Federfreundin ihre Gedanken dazu. 

Und schon wieder bis ganz nach unten gerutscht. Während ich hier den Brief parat mache, haben bereits wieder fünf Menschen den Wintibrief abonniert. Wir sind jetzt gerade bei 5987. So schön, bist du auch dabei.

Mach’s guet,

Maria

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