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| | Die Wahlen rücken immer näher. WNTI stellt euch im Interview alle Kandidierenden für den Stadtrat vor. Romana Heuberger sitzt seit acht Jahren für die FDP im Stadtparlament, gilt als gute Netzwerkerin und wagt nun den dritten Versuch für den Sprung in den Stadtrat. |
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| Wir treffen Romana Heuberger im Blumencafé Fany neben den Archhöfen. (Bild: Nick Eichmann) |
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| Wir treffen Romana Heuberger im Blumencafé Fany. «Hier gehe ich oft mit meinem Sohn auf einen Kaffee hin. Er hat meine Pflanzen- und Tierliebe geerbt», erzählt sie lachend. Heuberger ist in Winterthur keine Unbekannte, in ihrer Freizeit engagiert sich die PR-Fachfrau beispielsweise für die Volière im Vögelipark. Im Stadtparlament gilt sie als scharfe Kritikerin des Stadtrats. Nun wagt sie erneut die Kandidatur. |
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| Frau Heuberger, Sie kommen ursprünglich aus St. Gallen. Haben Sie nie Heimweh? In St. Gallen bin ich zwar aufgewachsen, aber mittlerweile arbeite und wohne ich schon mehr als die Hälfte meines Lebens in Winterthur. Mein Herz schlägt für diese Stadt. Das zeigt auch mein vielseitiges gesellschaftliches und soziales Engagement für die Bevölkerung in Winterthur. Sie haben bereits zweimal kandidiert. Warum soll der Sprung in den Stadtrat beim dritten Versuch klappen? Heute haben wir eine andere Ausgangslage, weil zwei Personen aus dem Stadtrat zurücktreten. Ich hoffe, dass die Menschen, die mir bei der ersten Wahl ihr Vertrauen geschenkt haben, dies nochmals tun. In den letzten acht Jahren konnte ich hoffentlich weiter beweisen, dass ich dieses Vertrauens würdig bin. Wahlkampf führen ist eine aufwändige Sache. Sind sie noch nicht müde? Es braucht ein bisschen Mut, um ein drittes Mal anzutreten. Aber ich mache es sehr gerne und ich habe ein motiviertes Team, das mich begleitet. Ich schätze den direkten Kontakt und den Dialog mit der Bevölkerung sehr. Winterthur ist eine wunderschöne Stadt, aber es gibt einige Herausforderungen, die wir lösen müssen, um die Stadt zukunftsfähig zu gestalten. Und da denke ich, dass ich mit meiner Persönlichkeit, meinem grossen Engagement, meinem Wissen, meinen Fähigkeiten und meiner beruflichen Erfahrung einen wertvollen Beitrag leisten kann. |
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| Beim dritten Anlauf soll es klappen mit der Wahl in den Stadtrat. (Bild: Nick Eichmann) |
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| Im Stadtparlament wurde in letzter Zeit viel über neue Schulhaus-Projekte diskutiert. Sie kritisieren häufig den langwierigen und teuren Schulhausbau der Stadt. Wie ginge es besser? Ich möchte attraktive Lernumgebungen zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Im Moment kommen aber fast alle Schulhaus-Vorlagen mindestens zwei Jahre zu spät. Ein Schulhaus sollte gemäss ausgewiesenem Bedarf eigentlich schon im Bau sein, wenn wir als Parlament erstmals über die Finanzierungs-Vorlage reden können. Zu diesem Zeitpunkt können wir eine Vorlage kaum mehr ablehnen und schon gar nicht mitgestalten. Der Planungsprozess müsste deutlich schneller und effizienter werden. Auch müssten wir nicht jedes Schulhaus wieder total neu erfinden, sondern auf Bewährtes setzten und weiterentwickeln. Wichtig wäre auch, dass man bei der Planung eines neuen Schulhauses schon überlegt, wo es in Zukunft bei Bedarf erweitert werden kann. Die Kosten müssten sich ausserdem an realistischen Vergleichswerten für Schulbauten ausrichten. Auf Ihrem Blog ist zu lesen, dass es «auch mehr Wohnraum für gute Steuerzahler» brauche. Weshalb? Damit die Belastung auf der Ausgabenseite auf mehr und auch finanzstarke Personen verteilt wird. Deshalb braucht es in Winterthur mehr Arbeitsplätze und gute Steuerzahler. Gleichzeitig setze ich mich für günstigen Wohnraum ein. Im Richtplan haben wir beispielsweise verlangt, dass nicht nur im urbanen Rückgrat verdichtet werden darf, sondern dass auch Genossenschaften in ihren Quartieren dichter bauen dürfen und so ihr Land besser ausnutzen können. So entsteht am schnellsten günstiger Wohnraum. Im kommunalen Richtplan «Winterthur 2040» liegt ein grosser Fokus auf dem Verdichten in gewissen Zonen. Ist die Stadt dabei auf Kurs? Die grosse Frage ist, wie man Verdichtung gestalten kann, damit sich die Bevölkerung trotzdem wohlfühlt. Viele sind gegen eine weitere Zersiedelung der Schweiz, aber auch gegen die Verdichtung vor der eigenen Haustüre. Wichtig für die Akzeptanz sind hochwertige Grünräume, in denen sich die Menschen frei bewegen können. Und wir brauchen keine zehnstöckigen Häuser, sondern ein bis zwei Stockwerke mehr als bisher auf den Mehrfamilienhäusern. |
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| | «Wir brauchen keine zehnstöckigen Häuser, sondern ein bis zwei Stockwerke mehr als bisher auf den Mehrfamilienhäusern.» Romana Heuberger, FDP-Stadtratskandidatin |
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| | Wohin möchten sie in Verkehrsfragen? Mir ist eine leistungsfähige Gesamtmobilität wichtig. Die Stadt muss für alle Verkehrsteilnehmer erreichbar sein. Einer meiner ersten Vorstösse im Parlament war ein Velovorstoss und auch bei Vorlagen zum ÖV-Ausbau bin ich dabei. Was ich ablehne ist, dass die Autofahrenden ideologisch ausgebremst werden. Wichtig ist, dass die Bevölkerung das für den jeweiligen Zweck richtige Verkehrsmittel bewusst wählt. Im Sommer hat das Stadtparlament den Kredit für den Ausbau der Frauenfelderstrasse abgelehnt. Dies nach langer Planungsphase. Was hätte aus Ihrer Sicht anders laufen müssen? Fürs Parlament war das recht unbefriedigend nach 14 Jahren Planung. Bei der Frauenfelderstrasse war jedoch schon lange erkennbar, dass die Vorlage keine Mehrheit findet. Sämtliche wichtigen Verkehrsverbände sind gemeinsam hingestanden und haben frühzeitig kommuniziert, dass man ein Strassenprojekt so nicht umsetzen kann. Für mich ist es schwer verständlich, dass der Stadtrat den Prozess jahrelang weitergeführt und das Projekt am Schluss unverändert vorgelegt hat, statt nochmals einen Marschhalt einzulegen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. |
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| Die FDP hat im Stadtparlament neun von 60 Sitzen. Legitimiert sich daraus ein zweiter Sitz im Stadtrat für die FDP? Stadtratswahlen sind Personenwahlen. Natürlich hat man, wenn man in einer Partei ist, eine bestimmte Grundhaltung. Letztendlich muss man aber Personal führen, die Notwendigkeit und die Wirtschaftlichkeit von Projekten beurteilen, strategisch führen können und lösungsorientiert handeln. Das sind alles Eigenschaften, die unabhängig sind von einer Partei. Im Stadtparlament gelten Sie als scharfe Kritikerin von Stadtregierung und Verwaltung. Passen Sie in ein kollegiales Gremium, wie es der Stadtrat ist? Es ist die Aufgabe des Stadtparlaments, dem Stadtrat auf die Finger zu schauen. Dass mir immer wieder überparteiliche Vorstösse gelingen, beweist, dass ich auf Leute zugehen kann, egal was deren Ausrichtung ist. Ich bin in der Sache hart, spiele aber nicht auf den Menschen. |
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| | «Ich bin in der Sache hart, spiele aber nicht auf den Menschen.» Romana Heuberger, FDP-Stadtratskandidatin |
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| | Wir haben bei Stadträtin Christa Meier nachgefragt, was Sie Ihnen gerne für eine Frage stellen würde: «Frau Heuberger, Sie gehen mit den Mitarbeitenden der Stadt nicht gerade zimperlich um. Sie stellen die Effizienz und das fachliche Knowhow der Verwaltung regelmässig infrage. Wie stellen Sie sich eine wertschätzende und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Verwaltung vor?» Das unterstellt mir Frau Meier, es stimmt überhaupt nicht. Ich kritisiere den Stadtrat in der Strategie und nicht das Personal in der Umsetzung. Ich kritisiere die Führung und nicht die Ausführenden. Man muss sagen können, wenn ein Projekt nicht genügt. Ich habe übrigens einige gute, persönliche Freunde in der Verwaltung. Ganz unbürokratisch: Was würden Sie in Winterthur ändern, wenn das sofort möglich wäre? «Ich würde mir wünschen, dass wir Politik schon vor dem Start teurer und langwieriger Planungsprozesse wieder mehr im Dialog mit der Bevölkerung gestalten und miteinander um gute Lösungen ringen. Das erwarten die Winterthurer und Winterthurerinnen zu Recht.»
WNTI stellt euch alle Kandidat:innen für den Stadtrat vor. Die Kandidierenden ohne Parlamentsvertretung haben wir bereits portraitiert: alles zu den Wahlen am 8. März. |
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| Demo «Solidarität mit Rojava» am Bahnhof: Die Polizei zieht nach der unbewilligten Demonstration am Dienstagabend Bilanz. Circa 300 Personen haben teilgenommen, neben hauptsächlich kurdischen Teilnehmenden auch solche aus dem «linksextremen Umfeld», wie die Stadtpolizei mitteilt. Die Polizei verhinderte einen Demonstrationszug Richtung Altstadt, es kam zu grösseren Verkehrsbehinderungen und zum Einsatz von Leerschüssen und Pfefferspray, teilt die Polizei auf Anfrage mit. Gummischrot sei entgegen der Behauptungen von Demonstrierenden nicht zum Einsatz gekommen.
91-Jährige wurde von Auto erfasst: Am Dienstag kam es im Quartier Mattenbach zu einer Kollision von Fussgängerin und Autofahrerin, dies bei der Verzweigung Unterer Deutweg/Eisweiherstrasse. Die angefahrene Frau musste mit mittelschweren Verletzungen ins Spital gebracht werden. Die Stadtpolizei hat Ermittlungen zum Unfallhergang aufgenommen, wie sie in der Medienmitteilung schreibt.
Decathlon Speednight im Geiselweid: Der Schwimmclub Winterthur organisiert bereits zum vierten Mal einen rasanten Kurzstrecken-Wettkampf. Ziel sei die Nachwuchsförderung, wie der Verein mitteilt. Schwimmvereine aus dem ganzen Kanton Zürich reisen an. Der Wettkampf kann vom Publikum am Samstag 24. Januar ab 19.30 Uhr im Hallenbad Geiselweid verfolgt werden.
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| Winterthurer Wörter sind gesucht! Pünt, Schwümbi oder Feister: heisst das nur in Winti so? Ich begebe mich in meinem nächsten Wintibrief auf die Suche nach dem Winterthurer Dialekt. Und du kannst mir dabei helfen: |
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Hinter den Fassaden des Märchenschlosses |
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| Das diesjährige Neujahrsblatt der Stadtbibliothek ist den Tagebüchern der Winterthurer Malerin Sophie Schaeppi (1852-1921) gewidmet. Darin erfährt man nicht nur einiges über das bürgerliche Leben in Winterthur um die Jahrhundertwende, sondern wird auch Zeugin einer aussergewöhnlichen Liebesgeschichte. Im Jahr 1888 heiratete Baron Max von Sulzer-Wart die deutsche Adelstochter Elisabetha Charlotte von Gemmingen-Hornberg und beauftragte den Winterthurer Architekten Ernst Jung mit dem Bau des Schlosses Wart bei Neftenbach als Wohnhaus für sich und seine Gemahlin. Kurz darauf kam ihr erstes Kind, Tochter Anna Margarethe zur Welt. Das junge Eheglück schien perfekt zu sein. Doch hinter den Fassaden des vermeintlichen Märchenschlosses ging es anders zu und her, als man von aussen vielleicht vermuten könnte. Der jungen Baronin muss es oft langweilig gewesen sein, während ihr Mann, ein passionierter Jäger, monatelang auf Bärenjagd in Amerika war – und vielleicht noch langweiliger, wenn er zu Hause war. Wie auch immer, sie sehnte sich nach Abwechslung und kreativer Tätigkeit. Auf Vermittlung von Architekt Jung begann sie deshalb im Februar 1894 mit Malunterricht bei der Winterthurer Künstlerin Sophie Schaeppi. Diese besuchte sie regelmässig auf dem Schloss und aus dem Malunterricht wurde innert kurzer Zeit eine mehr als freundschaftliche Beziehung. «Jetzt erscheint es mir so kurios, ihr Lektionen zu erteilen und strenge Miene machen zu müssen. Ich hätte eher Lust, sie zu küssen.» schrieb Sophie Schaeppi am 20. Oktober 1894 in ihr Tagebuch. Das tat sie dann auch, wie aus den weiteren Tagebucheinträgen hervorgeht, und die beiden Frauen führten über Jahre hinweg eine mal innige, mal wechselhafte (heimliche) Liebesbeziehung. Sie reisten zusammen nach Paris, wo Sophie Schaeppi lange Zeit als Künstlerin gelebt hatte, und besuchten dort Ausstellungen und Freundinnen und Freunde. Jeweils im Sommer fuhren die beiden Damen für ein paar Wochen in die Bretagne oder auf die Insel Jersey, unter anderem um zu malen. Diese Wochen müssen zu den schönsten in Sophie Schaeppis Leben gehört haben, wie ein Tagebucheintrag vom Oktober 1898 vermuten lässt: «Welch entzückendes Leben haben wir dort verbracht, eine wahre Freiheit der Wilden! Es ist meine schönste Erinnerung an all unsere gemeinsamen Aufenthalte, diese Einsamkeit, diese Ruhe und diese Freiheit!» |
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| Schloss Wart bei Neftenbach, Ansichtskarte aus den 1950er-Jahren. (Bild: Hugo Kopp/bildarchiv.winterthur.ch) |
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| | Unter der Rubrik «Geschichte vor Ort» schreiben verschiedene Autorinnen und Autoren aus dem Geschichtennetzwerk Winterthur. Regula Geiser ist Historikerin und betreut das Bildarchiv der Winterthurer Bibliotheken. Elisabeth Nigg-Schaeppi und François Guex, Das Tagebuch der Malerin Sophie Schaeppi (1852-1921). Eine Künstlerin in der Belle Époque zwischen Entfaltung und Pflicht. Neujahrsblatt der Stadtbibliothek Winterthur, Band 363 (2026). |
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| | Sophie Schaeppi scheint mir eine aussergewöhnliche Frau zu sein: Unverheiratet, allein in Paris und in einer heimlichen Beziehung mit einer Frau ‒ und das im 19. Jahrhundert! Im diesjährigen Neujahrsblatt gibt es die Details zur spannenden Winterthurerin. Bis bald und hebs guet, Gioia |
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