Franziska Kramer-Schwob: «Meine Chancen sind intakt»
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#185 | 23.1.2026 | Online lesen | Unterstützen

WNTI Wintibrief

Tizian Schöni

Guten Morgen!

Franziska Kramer-Schwob kommt leicht verspätet ins Café «zum Hinteren Hecht». «Wäsche aufhängen», entschuldigt sie sich. Die Juristin teilt ihr Leben zwischen der Arbeit im Rechtsdienst der reformierten Kirche Zürich, ihrer Familie und der Politik auf. Seit 2019 sitzt sie für die EVP im Stadtparlament, nun stellt sich die 44-Jährige für den Stadtrat zur Wahl.

Platzhalterbild vom WNTI Team

Franziska Kramer-Schwob am Oberen Graben. Trotz Minustemperaturen kam sie mit dem Velo. (Bild: Robyne Dubief)

Franziska Kramer-Schwob, in Ihrer Parlamentsarbeit finden sich Vorstösse zum Thema Schulwege, Foodsave in Altersheimen oder zum Dauercamping am Schützenweiher ‒ also ein bunter Strauss an Politikbereichen. Wie kommen Sie zu Ihren Themen?

Sie werden oft aus meinem Umfeld an mich herangetragen, deshalb betreffen auch viele Anliegen Hegi. Mit deren Aufnahme möchte ich einerseits zeigen, dass die Wege in der Politik kurz sind und man Sorgen aus der Bevölkerung auf einfache Art lösen kann. Andererseits möchte ich keine Partikularinteressen vertreten.

Die Anliegen scheinen allerdings oft Partikularinteressen zu sein.

Sie sprechen von der Fragestunde und schriftlichen Anfragen. Postulate und Motionen betrafen bei mir immer grössere Themen. Und es liegt in der Natur der Sache, dass unsere Vorstösse breit abgestützt sind. Wir als EVP haben nur vier Unterschriften und müssen deshalb immer Verbündete finden.

Apropos, vier Sitze: Hat die EVP als Kleinpartei eine realistische Chance auf einen Stadtratssitz?

Wie ihr gerade publiziert habt, hätten wir rein rechnerisch ja 0,5 Stadtratssitze zugute (lacht). Und vor 16 Jahren hatten wir mit Maja Ingold bereits eine Stadträtin in Winterthur. Zudem sind zwei Mitte-Rechts-Stadträte zurückgetreten ‒ und ich selbst komme aus dem politischen Zentrum. Da sehe ich meine Chancen durchaus intakt. Im Parlament erhoffen wir uns ebenfalls einen Sitzgewinn.

Platzhalterbild vom WNTI Team

Für den WNTI-Smartspider haben wir Franziska-Kramer-Schwob nach ihrer Zustimmung zu den verschiedenen Massnahmen gefragt. Bei den Schulhäusern kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen, bei den Velowegen überlegt sie lange «ob 80, 90 oder 100 Prozent». (Grafik: WNTI)

Ihr Wunschdepartement? Viele Ihrer Vorstösse kamen aus dem Schulumfeld, der «Landbote» ordnete Sie eher den Finanzen zu.

Ich bin Juristin auch deshalb geworden, weil man sich dort immer wieder in neue Gebiete einarbeiten muss. Als ich im Parlament angefangen habe, waren mir Klima- und Sozialpolitik nahe. In die Finanzpolitik habe ich mich eingearbeitet, weil ich nach meinem Nachrutschen ins Parlament in die Aufsichtskommission ging. Das zeigt doch, dass ich mich in Dossiers einarbeiten kann.

Im Parlament hat Ihre Partei in den letzten zwei Jahren gemeinsam mit den Bürgerlichen auf die Ausgabenbremse gedrückt. Sind Sie unzufrieden mit der städtischen Finanzlage?

Für mich ist es eine Frage der Prioritäten. Für den Sozialausgleich beispielsweise sollte immer genügend Geld zur Verfügung stehen. Damit das so bleiben kann, muss man auch mal bei einem Ausgabenentscheid sagen: Dafür reicht es nicht.

Wo konkret?

Beispielsweise, als wir die Überführung der Halle 53 vom Finanz- ins Verwaltungsvermögen ablehnten. Das hätte die Verantwortung mit sich gebracht, die Halle zu bespielen ‒ potenziell für Millionen. Dabei brauchen wir hier einen privaten Investor. Auch die Projektierung des Stadtarchivs haben wir zurückgewiesen. Es ist unbestritten, dass es einen neuen Standort braucht ‒ aber er kann bescheidener ausfallen.

Rund die Hälfte aller städtischen Investitionen fliessen in die Schulbauten ‒ sehen Sie Sparpotenzial?

Wir müssen anfangen darüber zu diskutieren, wie viel Geld wir aus baukulturellen oder denkmalschützerischen Gründen in die Schulhäuser investieren. Man könnte einen gelungenen Bau wie beispielsweise das Schulhaus Neuhegi kopieren. So liesse sich bei den Projektierungskosten sparen.

«Der Stadtrat findet es im Moment in Ordnung, eine Erhöhung der Nettoverschuldung ins Budget aufzunehmen. Aber im Parlament gibt es eine Mehrheit, die dem skeptisch gegenübersteht.»

Franziska Kramer-Schwob, Stadtratskandidatin EVP

Als Grund für die zunehmend hitzigen Budgetdebatten sehen viele den Prozess. Parlamentsmitglieder sagen, sie würden zu spät einbezogen und könnten zu wenig steuern. Was würden Sie ändern?

Dass wir als Parlament nicht jeden Franken umdrehen, bevor wir ihn sprechen, ist richtig. Wir sollten aber die groben Pflöcke einschlagen können, und zwar zu einem Zeitpunkt, zu dem das noch möglich ist. Der Stadtrat findet es im Moment in Ordnung, eine Erhöhung der Nettoverschuldung ins Budget aufzunehmen. Aber im Parlament gibt es eine Mehrheit, die dem skeptisch gegenübersteht. Diese Ausgangslage können wir in den paar Wochen, in denen wir das Budget beraten, gar nicht mehr korrigieren.

Sie sind in der Freien Evangelischen Gemeinde (FEG) Winterthur, einer evangelischen Freikirche. Welche Rolle spielt die Religion in ihrem Leben?

Ich bin in einem reformierten Haushalt aufgewachsen, suchte mir später aber eine andere Kirche, weil es bei den Reformierten in Veltheim fast keine Jungen gab. Heute gehe ich regelmässig in den Gottesdienst.

Fliesst der Glaube in Ihre Politik mit ein?

Für mich beeinflusst er das «Wie». Ich will eine respektvolle und ehrliche Politik machen. Nächstenliebe, Menschenwürde, Ehrlichkeit oder Integrität sind mir wichtig. Das «Was» ist eine andere Frage. Es gibt schliesslich Christen in jeder Partei, und ich würde niemandem wegen eines politischen Entscheids seinen Glauben absprechen.

Die Frauenzentrale empfiehlt Sie zur Wahl. Wofür stehen Sie in Bezug auf die Gleichstellung?

Ich wünsche mir mehr Augenhöhe in dieser Diskussion. Frauen sollen nicht mehr um jedes Quäntchen ihres Lebensraums kämpfen müssen. In unserer Familie teilen wir uns die Betreuungsarbeit selbstverständlich auf. Mein Mann arbeitet 60 Prozent, ich 50 plus Politik.

Nebst ihrem Job als Juristin, Betreuungsarbeit und Politik: Was machen Sie in der Freizeit?

Wenn ich einen freien Moment habe, drehe ich eine Runde mit dem Rennvelo über Elgg, Hagenbuch und Wiesendangen. Oder kümmere mich um den Garten, obwohl der letzten Sommer etwas vernachlässigt wurde ob der ganzen Arbeit mit der Kandidatur.


WNTI stellt euch alle Kandidat:innen für den Stadtrat vor. Romana Heuberger (FDP) und die Kandidierenden ohne Parlamentsvertretung haben wir bereits portraitiert: alles zu den Wahlen am 8. März.

Rubrik: Was lauft?
  • Bisi auf dem Fussballrasen: Seit dem vergangenen Jahr verwendet Stadtgrün nur noch biologische Dünger und Pflanzenschutzmittel. Die Umstellung habe im Grossen und Ganzen gut funktioniert, heisst es in einem kürzlich veröffentlichten Bericht. Nur die Sportrasen bereiten den Gärtner:innen noch Kopfzerbrechen, denn sie sind in der Pflege besonders aufwendig. Alleine für dieses Jahr seien 580’000 Franken zusätzlich eingestellt worden, um den teureren Dünger, häufigeres Jäten und «intensivere Regenerationsarbeiten» zu finanzieren. Zusätzlich führt Stadtgrün auf drei Rasen einen Pilotversuch durch: Sie werden mit einem Stickstoff-Dünger behandelt, der aus menschlichem Urin gewonnen wird. Trotz aller Massnahmen werde der Rasen ohne Kunstdünger anders aussehen, es brauche Toleranz von der Bevölkerung, heisst es in dem Bericht. Jänu ‒ die Bälle werden sich auf Klee gleich gut treten lassen wie auf Rasen.


  • Ausbildung zur umweltbewussten Bauingenieur:in: Die ZHAW bietet ab März den neuen Master-Studiengang Integrierte Bau- und Energiesysteme an. In fünf Semestern sollen die Studierenden in Gebäudetechnik, Energie- und Nachhaltigkeitsexpertise ausgebildet werden. Damit reagiere die Fachhochschule auf veränderte Anforderungen in der Planung und Umsetzung von Bauprojekten, heisst es in einer Mitteilung.


  • Bleiben die Kastanien an der Technikumstrasse doch? Die Stadt habe Fabian Dietrich Mitte März zu einem Austausch eingeladen. Das schrieb der «Landbote» gestern. Der Baumexperte hatte sich im September gemeinsam mit Verkehrsverbänden gegen die Fällung von 30 der 40 Rosskastanien an der Technikumstrasse eingesetzt. Die Stadt geht davon aus, dass deren Wurzelwerk bei der Strassensanierung zu stark beschädigt würde und plante deshalb mit Ersatz. Nun will sie nochmals vertiefte Abklärungen vornehmen, wie es im Beitrag heisst. Fabian Dietrich hat eine eigene Firma für solche Expertisen.

Rubrik: Winti weiss

Warum das Eichliacker eine Extrawurst bekommt


Ein entrüsteter Leser witterte «im Eichliacker wohnhafte SP-Promis mit direktem Draht zur Stadträtin». Und ärgerte sich über eine Ausnahmeregelung für das Quartier. Seit dem 1. November gilt in Winterthur nämlich die flächendeckende blaue Zone, Fahrzeuge dürfen seit da nur noch innerhalb der blau markierten Parkfelder abgestellt werden. Ausser im Eichliacker. Weshalb?

Der Sonderfall Eichliacker warf bei WNTI-Lesenden Fragen auf. (Bild: zvg)

Bisher lag seitens der Stadt die Begründung vor, die Strassen im Eichliacker seien zu eng. So gesagt wurde das von Bauvorsteherin Christa Meier am Blickpunkt Töss. Eng seien die Strassen aber auch anderswo, hiess es von WNTI-Lesenden. Auf Anfrage korrigiert Departementssprecher Michael Graf: Die Strassenbreiten seien kein Grund für die Ausnahmeregelung. Sie seien auch im Eichliacker breit genug, dass zum Beispiel Feuerwehrautos an einem parkierten Auto vorbeifahren können. 

Beim Markieren neuer Parkfelder müsse das Tiefbauamt verschiedene Vorschriften berücksichtigen. Zum Beispiel darf die Sicht an Kreuzungen und Ausfahrten nicht von parkierten Autos eingeschränkt werden. Von diesen Vorschriften seien mehrere Strassenabschnitte in Winterthur betroffen. Der Sonderfall im Eichliacker: «Es können auf einem grösseren, zusammenhängenden Gebiet keine Parkplätze erstellt werden.» Das Strassennetz des Quartiers sei besonders engmaschig, Mindestabstände könnten nicht eingehalten werden. Gleichzeitig hätten viele Mehrfamilienhäuser keine Tiefgaragen und die Grundstücke seien klein, sodass keine privaten Parkplätze beansprucht oder erstellt werden könnten. «Damit kein Unterangebot in einem ganzen Quartier entsteht und es zu Ausweichmanövern zulasten von anderen Strassen kommt, bleibt derzeit hier die bestehende Regelung (freies Parkieren) vorerst erhalten», schliesst Michael Graf.

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Als ich das letzte Mal ein Auto in der Stadt parkieren musste, war das blaue Parkfeld an der Jägerstrasse, an das ich mich schon gewöhnt hatte, tatsächlich weg. Da regte ich mich kurz fest auf. Und parkierte dann 50 Meter weiter.

Viel Glück bei der Suche!

Tizian

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