Als Grund für die zunehmend hitzigen Budgetdebatten sehen viele den Prozess. Parlamentsmitglieder sagen, sie würden zu spät einbezogen und könnten zu wenig steuern. Was würden Sie ändern?
Dass wir als Parlament nicht jeden Franken umdrehen, bevor wir ihn sprechen, ist richtig. Wir sollten aber die groben Pflöcke einschlagen können, und zwar zu einem Zeitpunkt, zu dem das noch möglich ist. Der Stadtrat findet es im Moment in Ordnung, eine Erhöhung der Nettoverschuldung ins Budget aufzunehmen. Aber im Parlament gibt es eine Mehrheit, die dem skeptisch gegenübersteht. Diese Ausgangslage können wir in den paar Wochen, in denen wir das Budget beraten, gar nicht mehr korrigieren.
Sie sind in der Freien Evangelischen Gemeinde (FEG) Winterthur, einer evangelischen Freikirche. Welche Rolle spielt die Religion in ihrem Leben?
Ich bin in einem reformierten Haushalt aufgewachsen, suchte mir später aber eine andere Kirche, weil es bei den Reformierten in Veltheim fast keine Jungen gab. Heute gehe ich regelmässig in den Gottesdienst.
Fliesst der Glaube in Ihre Politik mit ein?
Für mich beeinflusst er das «Wie». Ich will eine respektvolle und ehrliche Politik machen. Nächstenliebe, Menschenwürde, Ehrlichkeit oder Integrität sind mir wichtig. Das «Was» ist eine andere Frage. Es gibt schliesslich Christen in jeder Partei, und ich würde niemandem wegen eines politischen Entscheids seinen Glauben absprechen.
Die Frauenzentrale empfiehlt Sie zur Wahl. Wofür stehen Sie in Bezug auf die Gleichstellung?
Ich wünsche mir mehr Augenhöhe in dieser Diskussion. Frauen sollen nicht mehr um jedes Quäntchen ihres Lebensraums kämpfen müssen. In unserer Familie teilen wir uns die Betreuungsarbeit selbstverständlich auf. Mein Mann arbeitet 60 Prozent, ich 50 plus Politik.
Nebst ihrem Job als Juristin, Betreuungsarbeit und Politik: Was machen Sie in der Freizeit?
Wenn ich einen freien Moment habe, drehe ich eine Runde mit dem Rennvelo über Elgg, Hagenbuch und Wiesendangen. Oder kümmere mich um den Garten, obwohl der letzten Sommer etwas vernachlässigt wurde ob der ganzen Arbeit mit der Kandidatur.
WNTI stellt euch alle Kandidat:innen für den Stadtrat vor. Romana Heuberger (FDP) und die Kandidierenden ohne Parlamentsvertretung haben wir bereits portraitiert: alles zu den Wahlen am 8. März.