«Wenn Alkohol zur festen Priorität wird – etwa das tägliche Feierabendbier –, kann das in eine Abhängigkeit führen», warnt Kreiss. Eine einfache Faustregel könne helfen: Wer einen alkoholfreien Tag pro Woche, eine alkoholfreie Woche pro Monat und einen alkoholfreien Monat pro Jahr problemlos einhalte, sei in der Regel nicht suchtkrank. Dabei würden viele Betroffene jedoch Strategien aufstellen, um ihre Sucht geheim zu halten: «Sucht ist immer mit Scham verbunden und viele versuchen, diese vor ihren Mitmenschen zu verstecken.»
Parallel dazu verändert sich auch die Gastronomie. In Winterthur bieten Bars wie das Fahrenheit, Plan B, Riva oder das Alltag sowie viele weitere mittlerweile eine breite Auswahl an kreativen Null-Prozent-Drinks an. Alkoholfreie Alternativen gelten als unkomplizierter Ersatz beim Essen oder im Ausgang. Für suchtkranke Menschen bergen sie jedoch auch Risiken. «Solche Getränke können als Trigger wirken und Erinnerungen an den Alkohol auslösen», sagt der Experte.
Genuss sei ein fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens, sagt Kreiss. «Der Rausch gehört zum Menschsein.» Umso wichtiger sei es, Genuss und Gemeinschaft bewusst und in einem gesunden Rahmen zu erleben. Der «Dry January» könne dabei helfen, den eigenen Lebensstil zumindest einmal mehr kritisch zu hinterfragen.